Er weiß, was er tut. Unser Bundespräsident, Horst Köhler, provoziert Diskussionen. Genau das wollte er erreichen. Und genau das hat er geschafft. Dem Magazin „Focus“ sagte er in einem Interview: „ […] Wir sollten zum Beispiel darüber nachdenken, ob der Preis von Benzin nicht tendenziell höher als tendenziell niedriger sein sollte. Das Preissignal ist immer noch das stärkste Signal, damit Menschen ihr Verhalten ändern […].
Richtig lesen! Natürlich erntet Horst Köhler viel Kritik dafür. Der „Stern“ nennt es „mediale Schnellschüsse“. Über ebenso qualitativ hochwertige Kommentare der Zeitung mit den vielen bunten Bildern muss man gar nicht reden. Man kann es sich vorstellen, was dort geschrieben steht. Dabei hat Köhler nur gefragt.
Köhler hat kein Wort darüber verloren, den Benzinpreis zu erhöhen. Er hat zum Nachdenken angeregt. Leider ist es in den Medien immer noch sehr verbreitet, quer zu lesen, oder sogar Tatsachen zu verdrehen. Der Blog „Roadrunner“ schreibt beispielsweise: „[…] Und gerade jetzt kommt Horst Köhler mit seiner Forderung der Erhöhung der Benzinpreise […]“ Das stimmt einfach nicht. Hat er nicht. Er hat gesagt, dass wir über den Benzinpreis nachdenken sollen. Wenn er gesagt hätte: „Wir sollten über die Halbierung des Benzinpreises nachdenken“, wäre er bestimmt von den allermeisten gelobt worden. Allerdings würde ein derartiger Populismus wohl kaum von unserem Bundespräsidenten kommen.
Dann diskutiert auch! Über den Benzinpreis nachzudenken, ist eine gute Sache. Schon 1998 dachten die Grünen laut über den Benzinpreis nach (5 Mark…). Und wurden ausgebuht. Horst Köhler wärmt diese Diskussion jedoch nicht neu auf, sondern stellt zur Diskussion.
Wenn allerdings in Deutschland die Ausdrücke „Benzinpreis“ und „höher“ gemeinsam in einem Satz genannt werden, wird man nervös. Benzin ist für den Deutschen ein Stück Freiheit. Das will er sich nicht nehmen lassen. Und dann fängt unser Bundespräsident plötzlich eine Diskussion an. Und man könnte endlos darüber diskutieren. Beispielsweise darüber, dass die Reise von Frankfurt nach Berlin (Einzelperson) mit dem Flugzeug wesentlich billiger ist, als mit dem Auto. Man müsste darüber reden, dass das Flugzeug wesentlich mehr Dreck macht, als das Auto. Man müsste über die Beinahe-Monopolstellungen der Mineralölindustrie reden. Über den Ausbau des ÖPNV. Über diejenigen, die beruflich keinerlei Alternative zum PKW haben.
Der deutsche Autofahrer ist Kummer gewohnt. Hohe Spritpreise sowieso. Dass der Benzinpreis in den letzten Jahren so stark gestiegen ist, ist nicht alleine dem Ergebnis aus Angebot und Nachfrage zu verdanken. Er wurde durch die Regierung, durch die Ökosteuer, erheblich angehoben. Selbstverständlich herrscht auch heute noch eine riesige Aufregung darüber. Merkwürdig, dass es die Automobilindustrie im selben Zeitraum möglich machte, dass Autos weniger verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstoßen…
Mit Geld fängt man… Meint der Herr Bundespräsident etwa, dass die Anhebung des Benzinpreises die Autoindustrie zum Umdenken zwingen würde? Und wäre das so schlimm? Meint er vielleicht, dass nur die Rede vom Umweltschutz zu wenig ist? Meint er vielleicht, dass Geld die (beinahe) einzige „Waffe“ zur Verteidigung der Umwelt ist?
Ich wünsche mir von unserem Bundespräsidenten viel mehr von diesen Denkanstößen.